Mehr als CO₂: Was das Katingan Mentaya Projekt bewirkt

Wenn über Klimaschutz gesprochen wird, geht es oft um Zahlen, Emissionen und CO₂-Bindung. Doch Projekte wie Katingan Mentaya erzählen eine viel größere Geschichte. Es geht um den Schutz eines einzigartigen Torfmoorwaldes, um Artenvielfalt, um neue Perspektiven für Dorfgemeinschaften und um Menschen, die diesen Wandel jeden Tag mitgestalten.

Genau davon berichtet Kirsten Baillie Carlile, Marketing Managerin bei Permian Global. Sie hat das Katingan Mentaya Projekt in Indonesien selbst besucht und ihre Eindrücke in einem persönlichen Erfahrungsbericht festgehalten. Diese Erfahrungen möchten wir hier teilen, weil sie zeigen, was hinter einem Klimaschutzprojekt wirklich steckt.

 

Ein Klimaschutzprojekt in Indonesien

Das Katingan Mentaya Projekt liegt in Zentralkalimantan auf Borneo, in Indonesien, auf der anderen Seite des Mentaya-Flusses bei Sampit. Es schützt mehr als 150.000 Hektar Torfmoorwald zwischen dem Mentaya und dem Katingan River. Dieser Lebensraum spielt eine wichtige Rolle für den Klimaschutz, denn Torfmoore speichern über sehr lange Zeiträume große Mengen Kohlenstoff. Gleichzeitig sind sie hochsensible Ökosysteme, deren Schutz weit über den Klimaschutz hinausreicht.

Auch die SAUBER ENERGIE unterstützt das Katingan Mentaya Projekt. Für uns steht es beispielhaft für einen ganzheitlichen Ansatz, der Natur schützt und zugleich Menschen vor Ort stärkt. Denn hier bleibt es nicht bei der Bewahrung dieser wertvollen Landschaft. Das Projekt schafft auch konkrete Chancen für die Gemeinden in der Region, stärkt lokale Strukturen und unterstützt neue Einkommensmöglichkeiten.

Ankunft in Sampit

Schon der Weg dorthin macht deutlich, wie abgelegen dieses Gebiet ist. Ausgangspunkt ist Sampit, eine Stadt in Zentral Kalimantan auf Borneo.

Sampit, heute ein lebendiges Zentrum in der East Kotawaringin Regency, war einst ein wichtiger Holzumschlagplatz. Heute ist die Stadt der Ausgangspunkt für den Weg in ein Projektgebiet, das in sechs Zonen gegliedert ist. In diesen Zonen haben 39 Dörfer Vereinbarungen mit dem Projekt geschlossen. Gemeinsam setzen sie sich für den Schutz der Dorfwälder, die Bewahrung lokaler Ressourcen und Umweltleistungen ein.

Für Kirsten Baillie Carlile begann die Reise mit einem Besuch bei Mentaya Sweet und dem STA Marketplace. Dort wurde schnell sichtbar, wie eng Klimaschutz und lokale Entwicklung zusammenhängen. In der Produktionsstätte konnte sie sehen, wie Kokosblütenzucker und Kokoszucker-Ketchup hergestellt werden und wie weitere Produkte wie Cashewkerne verarbeitet und verpackt werden. Das Projekt half dabei, diese Initiative aufzubauen, damit die Menschen vor Ort mit der Herstellung von Kokosblütenzucker eine alternative Einkommensquelle entwickeln konnten. Inzwischen ist das Unternehmen deutlich gewachsen, stellt mehr Produkte her und führt Gewinne zurück in die lokale Gemeinschaft.

Auch der STA Marketplace in Sampit zeigt ganz konkret, wie das Projekt wirtschaftliche Perspektiven schafft. Dort werden Produkte verkauft, die im Projektgebiet entstehen. Für viele Gemeinschaften vor Ort ist das ein wichtiger Zugang zum Markt und damit eine direkte Verbindung zwischen lokaler Arbeit und wirtschaftlicher Teilhabe.

Entlang des Flusses

Am nächsten Tag ging es auf dem Mentaya-Fluss weiter nach Norden in das Dorf Terangtang in der Seranau-Zone. Die Gäste wurden dort mit einem feierlichen Empfang begrüßt. Ein traditioneller Kriegerinnentanz, eine Segnung mit Bambuszeremonie, ein Tuch und ein Kopfschmuck als Zeichen des Willkommens sowie ein berührender Tanz von vier Schülerinnen machten diesen Moment besonders. Doch es war nicht nur die Zeremonie, die Eindruck hinterließ. Vor allem gab es Platz für Möglichkeiten und Begegnungen.

In der örtlichen Schule kamen Menschen aus der Gemeinschaft zusammen. Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer, Lehrkräfte, Teilnehmende des nonformalen Bildungsprogramms, Jugendgruppen aus dem Abfallmanagement und Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer erzählten von ihrem Alltag und davon, was das Projekt für sie verändert hat. Auch Produzentinnen und Produzenten von Rattanwaren waren dabei. So wurde aus einem großen Klimaschutzthema etwas Greifbares und Nahes. Der Schutz des Waldes blieb hier nicht abstrakt, sondern zeigte sich im täglichen Leben der Menschen.

Von Terangtang aus führte die Reise per Boot weiter zum Central Post am Central Canal, der den Mentaya mit dem Katingan verbindet. Unterwegs besuchte die Gruppe die Hantipan Nursery. Dort konnten die Gäste sehen, wie Wiederbepflanzung in verschiedenen Bereichen des Projektgebiets vorbereitet wird. Ein Holzsteg führt durch die Baumschule und vorbei an Demonstrationsflächen, die von lokalen Gemeinschaften betreut werden.

Am Central Post selbst pflanzte Kirsten einen Belangeran-Baum, eine Art aus der Familie der Dipterocarpaceae. Zwischen vielen anderen Bäumen, die Besucherinnen und Besucher in den vergangenen zwölf Jahren gepflanzt haben, wurde dieser Moment zu einem sehr persönlichen Zeichen dafür, dass Klimaschutz Zeit, Geduld und langfristiges Engagement braucht.

Der Central Post dient außerdem als Ausgangspunkt für Boardwalks und Forschungstransekten durch das Moorwaldgebiet. Besucherinnen und Besucher können dort das Ökosystem sicher erkunden und mehr darüber erfahren, welche Rolle Torflandschaften für den Natur und Klimaschutz spielen. Das Team vor Ort erklärte ausführlich, wie Brandvermeidung und Brandmanagement im Projekt funktionieren und wie regelmäßig Torfwerte erfasst werden, um den Zustand des Ökosystems zu beobachten.

Gerade dort wird die besondere Bedeutung dieser Landschaft spürbar. Der Katingan-Torfdom erstreckt sich nicht nur über eine enorme Fläche, sondern ist an manchen Stellen bis zu 13 Meter tief. Seine Entstehung reicht Zehntausende Jahre zurück. Wer sich an einem solchen Ort bewegt, bekommt ein Gefühl dafür, wie alt und zugleich verletzlich dieses Ökosystem ist und wie wichtig es ist, verantwortungsvoll mit ihm umzugehen.

Hüten und Bewahren

Am dritten Tag führte die Reise weiter zum Katingan River und in die Mendawai-Zone. Nach einem ersten Halt im Büro von PT RMU in Kampung Melayu traf die Gruppe das Team der sozialen Forstwirtschaft von Mendawai, LPDH Mendawai. Diese Gruppe entstand 2022, nachdem eine Vereinbarung zwischen Gemeinschaft und Projekt unterzeichnet worden war. Seitdem konnte sie ihren Wald besser vor illegalem Holzeinschlag und Bränden schützen, Flächen wieder begrünen, einen Patrouillenposten errichten und ein kleines Boot anschaffen. 2023 wurde die Gruppe für ihre erfolgreiche Arbeit in der Brandprävention anerkannt und nominiert.

Danach ging es weiter nach Mendawai Village. Dort trafen die Gäste auf Unternehmerinnen, die ihre Geschäfte mit Hilfe von Mikrokrediten aufbauen konnten, die durch das Projekt finanziert wurden. Die Frauen begegneten der Gruppe mit Stolz, Energie und Zuversicht. Bei einem gemeinsamen Essen entstand Raum für Gespräche über Erfolge, Hoffnungen und neue Wege für die Zukunft.

Auch ein Besuch bei einer erweiterten Gesundheitsstation, die durch das Projekt unterstützt wird, gehörte zur Route. Später erreichte die Gruppe den Bakumin Post, der während der Trockenzeit eine wichtige Rolle spielt. Dort lagert Feuerwehrausrüstung, von dort aus überwacht das Team mögliche Brände und kontrolliert auch andere illegale Aktivitäten wie Holzeinschlag oder Wilderei.

Brände gehören zu den größten Gefahren für das Projektgebiet. Umso bemerkenswerter ist, dass es in den vergangenen zwei Jahren keine Brände innerhalb des Projektgebiets gegeben hat. Gleichzeitig ist die Erinnerung an die schwere El-Niño-Feuersaison von 2015 präsent, als auch Teile des Gebiets verbrannten. Dass sich diese Flächen heute regenerieren, macht Mut. Was jetzt an manchen Stellen noch jung und offen wirkt, ist Teil eines langen und wichtigen Erholungsprozesses.

Naturschutz ist Vielfältig

Am letzten Reisetag stand zunächst ein Besuch bei den Bienenstöcken nahe Tempalas auf dem Programm. Dort wird der Honig geerntet, der später auch auf dem STA Marketplace verkauft wird.

Hier wurde der Gruppe auch eine Solaranlagenentwicklung gezeigt, die infolge des Katingan Mentaya Projekts entstanden ist. Darüber hinaus wurden eine Halle als Unterstützung bei Überschwemmungen, Homestay-Unterkünfte für Besuchergruppen, Einrichtungen für den Ökotourismus und eine Albuminfabrik aufgebaut, die weitere Arbeitsplätze schaffen und zusätzliche Investitionen in die Region bringen soll.

Zum Abschluss führte die Reise in die Gemeinschaft von Telaga. Dort besuchten die Gäste das lokale Projektbüro, in dem das Team trainiert, Einsätze plant und Feuerwehrausrüstung lagert. Anschließend ging es weiter zur Schule und zur Dorfhalle. Dort empfingen der Dorfvorsteher, traditionelle Autoritäten, lokale Landwirtschaftsgruppen, Feuerwehrkräfte und Gesundheitskader die Gruppe. Besonders eindrücklich war auch hier wieder die Begegnung mit einer Frauengruppe, die Gesundheitsprodukte herstellt und diese später auf dem STA Marketplace in Sampit verkauft.

An diesem Punkt wurde besonders deutlich, was das Projekt ausmacht. Die Gemeinschaften schützen den Wald nicht nur, sondern erleben auch ganz konkret, welchen Wert ein intakter Wald für ihr Leben haben kann. Neue Einkommensmöglichkeiten, bessere Infrastruktur und stärkere lokale Strukturen entstehen hier nicht neben dem Naturschutz, sondern gemeinsam mit ihm.

Unser Einsatz

Mit SAUBER GAS unterstützt die SAUBER ENERGIE internationale, zertifizierte Klimaschutzprojekte wie das Katingan Mentaya Projekt. Der Erfahrungsbericht von Kirsten Baillie Carlile macht sichtbar, was das konkret bedeutet. Klimaschutz findet nicht nur in Bilanzen statt, sondern vor Ort in einem Waldgebiet, das geschützt wird, in Gemeinden, die neue Perspektiven entwickeln, und in einem Projekt, das ökologische und soziale Wirkung zusammenbringt.

Mit Ihrer Entscheidung für SAUBER STROM oder SAUBER GAS schützen Sie einen Quadratmeter deutschen Wald für 50 Jahre, gemeinsam mit dem UrwaldProjekt und Wohllebens Waldakademie. So verbindet die SAUBER ENERGIE konkreten Waldschutz in Deutschland mit der Unterstützung internationaler Klimaschutzprojekte.

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