KLIMABLOG

23.03.2022

Was ist Ökostrom aus Wasserkraft?

Zahlen & Fakten zu Wasserkraft in Deutschland

In Deutschland gibt es etwa 7.300 Wasserkraftwerke unterschiedlicher Größe. 94 Prozent der Anlagen haben eine Leistung von unter 1 kW und erzeugen deshalb geringe Mengen an Strom.

Im Jahr 2019 versorgte die Wasserkraft rund 5,7 Millionen Haushalte. Das sind gleichzeitig etwas mehr als acht Prozent der gesamten Erneuerbaren Energien in Deutschland.

Nordrhein-Westfalen hat mit 450 Wasserkraftanlagen ca. eine Leistung von 200 MW, wobei die Hälfte an Talsperren und Stauseen installiert ist. Die restlichen Anlagen befinden sich auf geeigneten Flusshöhen. Damit können fast 170.000 Haushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch ein Jahr lang versorgt werden. Der erzeugte Strom aus Wasserkraft ist im Vergleich zu den Mengen aus Windkraft oder Sonnenkraft gering, dennoch hat es einen Mehrwert für die Energiewende.

Und man kann einmal einen Ausflug zu einem Wasserkraftwerk machen.

 

Wie funktioniert Wasserkraft eigentlich?

Wasserkraft funktioniert mithilfe von Gefälle. Dazu braucht es nach Möglichkeit hunderte Meter Höhenunterschied. Je steiler, desto schneller, desto mehr Strom kann erzeugt werden.

Mit einem konkreten Beispiel aus NRW soll es deutlich werden: Das Wasserkraftwerk Heimbach in der Eifel (ein besonders sehenswerter Jugendstilbau aus dem 19. Jahrhundert) liegt in der Nähe eines Stausees. An diesem Stausee fließt Regenwasser oder Eisschmelze aus den umliegenden Höhenlagen zusammen. Viele Stauseen oder Talsperren in Deutschland wurden übrigens für die Trinkwassergewinnung gebaut - wie auch der Stausee Heimbach.

In diesem Stausee sammelt sich das Wasser, vergleichbar mit einem Badewannenstöpsel, für einen bestimmten Zeitraum und kann nach und nach abfließen. So werden aufgrund des Gefälles Wassermassen besonders schnell von einem Punkt zum nächsten befördert. Am anderen Ende dieser “Fließstrecke” steht das Wasserkraftwerk - etwa 100 Meter tiefer gelegen. Das abfließende Wasser aus dem Stausee trifft dort auf große Turbinen des Heimbacher Wasserkraftwerks, die wiederum in Bewegung gesetzt, kinetische Energie erzeugen. Kinetische Energie wird letztlich umgewandelt und in unsere Stromleitungen eingespeist.

Neben Wasserkraftwerken gibt es auch Pumpspeicherkraftwerke. Das sind Kraftwerke, die im Gegensatz zu dem Wasserkraftwerk Heimbach Wasser aus tiefer gelegenen Punkten in einen höher gelegenen See pumpen. Der aufgewendete Strom für den Betrieb stammt meistens von Sonne oder Wind. Dieses hoch gepumpte Wasser sammelt sich in einem Stausee und kann flexibel wieder zur Stromerzeugung verwendet werden. Da kommt dann erneut das Wasserkraftwerk ins Spiel. Deutschlandweit gibt es 26 Pumpspeicherkraftwerke.

Übrigens: Die Wasserkraftwerke sind vor allem in den Sommermonaten oft vormittags und abends für verlässlichen Strom, also die Gewährleistung der Lasten, verantwortlich, während tagsüber die Lastspitzen durch Photovoltaik im Strommix den größten Anteil ausmachen.

 

Konflikt: Wasserkraft und Biodiversität

Wasserkraft kann nahezu kontinuierlich erzeugt werden, im Gegensatz zu Windkraft oder Sonnenenergie, die von aktuellen Witterungsverhältnissen abhängen. Strom aus Wasserkraft zu erzeugen ist eine Tradition, die lange zurückliegt. Mittlerweile sind die Anlagen modernisiert und robuster. Allerdings verursachen sie immer wieder Konflikte mit dem Tier- und Naturschutz.

Wasserkraftanlagen haben unter anderem künstlich hervorgerufene Unterbrechungen der Flussläufe zufolge. Um zum Beispiel Fische und andere Lebewesen in den Flüssen zu schützen, werden verschiedene Schutzmöglichkeiten angewendet. Viele Turbinen laufen besonders langsam, damit Fische hindurch schwimmen können.

In Deutschland blickt man weniger auf Wasserkraft als beispielsweise auf Windkraft. Insbesondere geplante Neuanlagen müssen hohen Auflagen gerecht werden, um das Ökosystem nicht zu stören.

Wasserkraft ist durchaus eine wichtige Energiequelle in Deutschland. Allerdings sind Naturschutz und Klimaschutz stets ins Verhältnis zu setzen. Und das stellt oft eine Herausforderung dar.

 

Die Kraft des Rheins in Köln nutzen

Wie steht es mit den Chancen, den Rhein bei Köln als Energiequelle zu nutzen? Der Rhein umfasst an einer Position pro Sekunde 2.300 Kubikmeter Wasser und fließt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 km/h. Da das Flussufer in der Kölner Stadt ausgebaut ist, sind zumindest Lebensräume für Tiere am Ufer kleiner als in der Eifel.

Ein Problem sind die vielen Schiffe und Boote auf dem Rhein. Sich überlagernde Nutzungsbereiche verhindern den einvernehmlichen Bau von Wasserkraftwerken. Dieser Problematik hat sich ein Start-up angenommen. Mit “RheinSharing” wird gemeinsam mit der Technischen Hochschule Köln daran geforscht, wie Wasserkraftanlagen Elektrofahrzeuge unmittelbar an Ort und Stelle durch die Kraft des Rheins mit Strom versorgen können. Und das, ohne das umliegende Ökosystem zu beeinflussen.

 

Wasserkraft aus Skandinavien für SAUBER ENERGIE

Wasserkraft spielt für die Energiewende eine wichtige Rolle. Wenn auch nicht gleich bei uns am Rhein, setzt sich SAUBER ENERGIE doch im europäischen Ausland für Wasserkraft ein. In Norwegen beispielsweise sind die Gegebenheiten hervorragend für viele Wasserkraftwerke. Das Land erzeugt europaweit die meiste Energie aus Wasserkraft: 33 Gigawatt pro Jahr.

Unsere Strom-Kundinnen und Kunden der SAUBER ENERGIE sorgen für die Erzeugung von 100-prozentigem Ökostrom, der aus Wasserkraftwerken in Norwegen stammt. Natürlich kommt in der Steckdose ein Strommix an, allerdings erhöhen Ökostromanbieter wie die SAUBER ENERGIE die Ökostrom-Anteile im Strommix deutlich.

Seit kurzem haben wir außerdem unseren Tarif "Natur & Energie" für besonders aktive Klimaschützerinnen und Klimaschützer. Der mit diesem Tarif eingekaufte Strom ist mit dem Grüner Strom Label e.V. ausgezeichnet und fördert aktiv den Ausbau der Erneuerbaren Energien besonders.

 

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