KLIMABLOG

04.07.2022

Warum wir keine Wälder pflanzen, sondern schützen

Bäume zu pflanzen liegt voll im Trend – ob als symbolische Wohltätigkeitsaktion oder als Verkaufsargument bei scheinbar nachhaltigen Produkten. Auf den ersten Blick scheint das nur gut für Mensch und Umwelt zu sein, denn Bäume speichern CO2, halten die Luft sauber und bieten vielen Tieren einen Lebensraum. Bäume zu pflanzen kann also gar nicht schlecht sein – oder etwa doch? In unserem Blogbeitrag erklären wir, warum Bäume pflanzen nicht immer sinnvoll ist und warum wir lieber bestehende Wälder schützen, als neue zu pflanzen.

 

Entscheidend ist, wo und wie Bäume gepflanzt werden

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Zu Beginn muss festgehalten werden: Es gibt es viele sinnvolle Aufforstungsprojekte, die transparent und vorbildlich arbeiten und einen wichtigen Beitrag sowohl zum Klimaschutz als auch zur Erhaltung wertvoller Lebensräume für Mensch und Tier leisten. Denn wie wir in unserem Blogbeitrag zur Wüstenbildung gezeigt haben, sind erschreckend viele Landflächen weltweit von Bodendegradation, Wassermangel und Erosion betroffen. In solchen Gegenden ist das Pflanzen neuer Wälder durch den Menschen unglaublich wichtig, um CO2 zu speichern und eine lebensfreundliche Umgebung zu erhalten. Wir haben dir zum Beispiel die inspirierende Geschichte von Yacouba Sawadogou vorgestellt – einem einfachen Bauern aus der Sahelzone, der ganz alleine in jahrzehntelanger Arbeit einen artenreichen Wald pflanzte und so die Ausbreitung der Sahara verhindern konnte.

 

In Gegenden, die akut von Bodendegradation und Wüstenbildung bedroht sind, sind Aufforstungsprogramme daher äußerst sinnvoll und wichtig. Die grüne Suchmaschine Ecosia zum Beispiel verwendet die Einnahmen, die durch Suchanfragen entstehen, in dem sie unter anderem in Burkina Faso Bäume pflanzt – dem Land, aus dem auch Sawadogo stammt. Hierbei wird insbesondere darauf geachtet, verschiedene Baumarten zu pflanzen und so einen Wald mit hoher Biodiversität zu erschaffen. Denn nur artenreiche Wälder sind gut gegen Hitzeperioden, Wassermangel, Waldbrände sowie Schädlinge gewappnet und können somit auf lange Zeit ihre so wichtigen Funktionen übernehmen. Dies gilt übrigens für die Sahelzone ebenso wie für unsere heimischen Wälder, wie wir in unserem Blogbeitrag zum Fichtensterben erklären.

 

Warum wir keine Bäume pflanzen...

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Eukalyptus-Plantage / OSU / CC BY-SA 2.0

Dennoch es gibt auch Baumpflanzprojekte, die weniger sinnvoll sind. Auch wenn es erst einmal beeindruckend scheinen mag - die hohen Zahlen an neu gepflanzten Bäumen, die vielerorts zu lesen sind, sagen erst einmal wenig über deren Umweltbilanz aus. Denn nur, weil ein Baum gepflanzt wurde, ist damit noch nicht gewährleistet, dass er tatsächlich langfristig einen positiven Effekt aufs Klima hat. Bäume müssen jahrzehntelang wachsen, bis sie eine entsprechende Menge Kohlenstoff gebunden haben. Das kann in vielen Fällen nicht garantiert werden - von den vielen Bäumen, die gepflanzt werden, erreichen oft nur wenige das Erwachsenenalter. Denn zum einen sind die Flächen, auf denen gepflanzt wird, oftmals nur kurzfristig gepachtet – wenn für die anschließende Nutzung der entstandene Wald wieder gerodet wird, etwa um Landwirtschaft zu betreiben, ist der positive Klimaeffekt wieder zunichte.

 

Zum anderen werden bei vielen Baumpflanzprojekten vor allem kostengünstige Monokulturen angelegt, sprich nur eine Baumart gepflanzt. Die sind nicht nur schlecht für die Artenvielfalt, sondern darüber hinaus besonders anfällig für Hitzeperioden, Wassermangel, Waldbrände sowie Schädlinge und sterben so oftmals frühzeitig ab. So werden im Rahmen von Klimakompensation vielerorts vor allem schnell wachsende Eukalyptus-Plantagen gepflanzt. Diese trocknen durch ihren enormen Wasserbedarf nicht nur im hohen Maße Böden aus, sondern sind aufgrund ihrer ätherischen Öle hochgradig brennbar - fatale Waldbrände sind oftmals die Folge. Bäume, die eigentlich CO2 im Boden zu binden sollten, setzen dann schlagartig große Mengen des Treibhausgases frei - zuletzt etwa bei den Waldbränden in Kalifornien.

 

…sondern lieber bestehende Wälder schützen

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Aus diesen Gründen haben wir bei SAUBER ENERGIE uns dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen: Statt neue Bäume zu pflanzen möchten wir vor allem bestehende Mischwälder schützen – egal ob in Deutschland, Indonesien oder Peru. Denn diese haben gegenüber neu angelegten Forsten gleich eine ganze Reihe von Vorteilen: Sie sind deutlich besser gegen Waldbrände und Trockenperioden gewappnet, kommen besser mit Schädlingen klar und haben eine deutlich höhere Biodiversität vorzuweisen. Vor allem aber können sie langfristig deutlich größere Mengen CO2 speichern und haben so nachhaltig einen positiven Effekt aufs Klima.

 

Die Urwälder und Torfmoore auf Borneo beispielsweise speichern bis zu 50-mal mehr CO2 als ein Forst unter vergleichbaren klimatischen Bedingungen. Wenn diese Wälder gerodet und die Moore trockengelegt werden, lässt sich das also nicht einfach durch Aufforstung kompensieren – hierauf hat nicht zuletzt der Weltklimarat in seinem letzten Sachverständigenbericht hingewiesen. Aus diesem Grund unterstützen wir mit dem SAUBER WALDFUNK das Projekt Rimba Raya, das sich dem Schutz dieser Flächen verschrieben hat. Ein besonderes Herzensprojekt von uns ist außerdem der SAUBER WALD in der Eifel, den wir gemeinsam mit der Akademie des bekannten Försters Peter Wohlleben schützen. Hier soll mit ihrer Unterstützung auf natürlichem Wege der Urwald von morgen entstehen - pro Neukunde stellen wir 1-5 m2 unter Schutz.

 

Kompensation ersetzt keinen Klimaschutz

Die Kompensation von Emissionen kann also durchaus sinnvoll sein. Das ist nicht zuletzt dann der Fall, wenn wertvolle CO2-Speicher geschützt werden oder artenreiche Wälder in Gegenden gepflanzt werden, welche akut von Desertifikation bedroht sind. Dennoch gilt: CO2-Kompensation sollte immer nur ein zusätzliches Instrument bleiben, welches erst dann zum Einsatz kommt, wenn sich Emissionen nicht mehr vermeiden lassen. Daher sagen wir bei SAUBER ENERGIE: Die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird.

Du möchtest Tipps haben, um deinen Energieverbrauch zu reduzieren? In unserem Blogartikel „Nachhaltig Leben“ geben wir dir einen Crashkurs für einen nachhaltigen Lebensstil im Alltag. Und auch in unserem Energie-Ratgeber geben wir dir viele nützliche Ratschläge, um deinen Energieverbrauch zu minimieren. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch deinen Geldbeutel!

 

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