KLIMABLOG

16.06.2022

Der Kampf gegen die Wüste

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Ein Drittel der weltweiten Landfläche ist Wüste

Jedes Jahr werden weltweit 12 Millionen Hektar ehemals fruchtbaren Ackerbodens zu Wüste – in etwa ein Drittel der Fläche von Deutschland. Mehr als 20 Prozent der Landflächen der Erde sind momentan akut von Wüstenbildung bedroht, weitere 30 Prozent sind bereits Wüste. Zum Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre klären wir für euch, was Desertifikation mit Klimawandel zu tun hat und warum es trotz allem Grund zur Hoffnung gibt.

 

Was Wüstenbildung mit Klimawandel und Migration zu tun hat

Wassermangel Trockenheit Flucht Migration durch Klimawandel Klimaflüchtlinge Wüstenbildung fehlende Niederschläge

Die Ursachen für den Prozess der Desertifikation sind durchaus vielfältig. Neben Überweidung, Abholzung und intensiver Landwirtschaft spielt hierbei der Klimawandel eine immer größer werdende Rolle: Selbst die widerstandsfähigsten Pflanzen können den immer häufiger und länger auftretenden Dürreperioden oftmals wenig entgegensetzen. Fehlende Vegetation führt dann zu Bodenerosion und dem Sinken des Grundwasserspiegels – eine Wüste entsteht. Die zunehmende Wüstenbildung verstärkt wiederum den Klimawandel: Savannenböden, die viel Kohlenstoff speichern, verwandeln sich in Wüstenflächen, welche sogar CO2 in die Atmosphäre abgeben. So gerät ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang, der die Lebensgrundlagen von großen Teilen der Menschheit gefährdet.

Wissenschaftler gehen daher inzwischen davon aus, dass zum Ende des Jahrhunderts große Teile der Erde unbewohnbar werden könnten. Über 1,5 Milliarden Menschen – weltweit fast jeder Fünfte - sind bereits von den Folgen der Desertifikation direkt betroffen, etwa in Form von Missernten, Hungersnöten oder Wassermangel. Oftmals ist für Betroffene Flucht der einzige Ausweg, um den Folgen der Wüstenbildung zu entgehen.

 

Beispiele, die Hoffnung machen

Wie also gegen den schier unaufhaltsamen Prozess der Wüstenbildung ankämpfen? Tatsächlich ist es durchaus möglich, den Prozess der Desertifikation umzukehren. Inspirierende Projekte in verschiedensten Teilen der Welt können uns hierbei als Vorbild dienen. Wir möchten euch drei besonders eindrucksvolle Beispiele vorstellen, die beweisen, dass der Kampf gegen die Wüste noch nicht verloren ist.

 

„Der Mann, der die Wüste aufhielt“

Yacouba Sawadogo alternativer Nobelpreis Mann hält Wüste auf Wald Pflanzen Sahara

Yacouba Sawadogo kann weder lesen noch schreiben. Dennoch schaffte der inzwischen 80-Jährige etwas, an dem zuvor zahlreiche UN-Programme, Botanik-Experten und Agrarwissenschaftler gescheitert waren: Indem er die traditionelle Anbaumethode Zaï modifizierte und weiterentwickelte, konnte er ausgetrocknetes Wüstenland in einen artenreichen Wald verwandeln. Dabei ließ sich der Autodidakt neben seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe für natürliche Prozesse vor allem von seinem unerschütterlichen Glauben leiten: Obwohl er jahrzehntelang als Verrückter verspottet wurde, ließ er sich nicht von seiner Vision abbringen, einen Wald zu pflanzen. Über 40 Jahre verbrachte er daher tagtäglich damit, einsam in der brütenden Hitze der Sahelzone Löcher in den ausgetrockneten Boden zu hacken – mit eindrucksvollem Erfolg. Sein Wald beherbergt nicht nur zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, sondern sorgt auch für ein Ansteigen des Grundwasserspiegels um ganze 5 Meter. Mittlerweile ist er nicht nur für Wissenschaftler auf der ganzen Welt ein wichtiger Ansprechpartner, sondern erlangte als der „Mann, der die Wüste aufhielt“ weltweite Bekanntheit. 2018 wurde ihm aufgrund seines erfolgreichen Kampfes gegen die Wüste sogar der alternative Nobelpreis verliehen.

 

SEKEM

SEKEM Sahara Sekem Ibrahim Abouleish Permakultur Permaculture Ägypten Wüste

Ein weiterer Träger des alternativen Nobelpreises ist der Ägypter Ibrahim Abouleish. Im Gegensatz zu Sawadogo, der nie lesen und schreiben lernte, hat Abouleish eine beachtliche akademische Laufbahn vorzuweisen: Der in der Schweiz promovierte Chemiker arbeitete lange als Leiter der Forschungsabteilung für Medizin in Graz. Doch als er 1975 bei einer Reise in seine Heimat Ägypten mit der dortigen Armut und Umweltverschmutzung konfrontiert wurde, beschloss er, seine aussichtsreiche Karriere als leitender Pharmakologe aufzugeben. Aus dem Bedürfnis heraus, soziale und ökologische Probleme gleichermaßen zu bekämpfen, gründete er stattdessen die Initiative SEKEM: Das soziale Unternehmen konnte in den Folgejahren über 70 Hektar unfruchtbares Wüstenland in ertragreiche Permakultur-Gärten umwandeln – und das vollkommen ohne Pestizide oder anderer chemischer Hilfsmittel. Die Gewinne aus den landwirtschaftlichen Erzeugnissen werden hierbei genutzt, um verschiedenste soziale Projekte zu unterstützen: Neben Schulen, Kindertagesstätten und anderen Bildungsangeboten zählt hier mittlerweile sogar eine eigene Universität dazu, die sich dem Aufbau nachhaltiger Wirtschaftsformen verschrieben hat.

 

Greening the Desert

Greening the Desert Jordanien Permakultur Geoff Lawton
Todd Van Hoosear / Flickr / CC BY-SA 2.0

Wir verlassen den afrikanischen Kontinent und gehen nach Jordanien – genauer gesagt in die Wadi Rum Wüste im Süden des Landes. Unter der Leitung des australischen Landwirtschaftsexperten Geoff Lawton sowie seiner jordanischen Frau Nadia Lawton entstand hier innerhalb der letzten 10 Jahre inmitten einer Fels- und Sandwüste eine beeindruckende Permakultur-Landwirtschaft. Das Projekt soll nicht nur ökologische Lebensmittel produzieren, sondern darüber hinaus als Bildungsstätte dienen, bei dem sich insbesondere Frauen in nachhaltigen Anbaumethoden weiterbilden können. Das Vorzeigeprojekt hat bereits einige Nachahmer gefunden – besonders eindrucksvoll beispielsweise in Al Baydha in Saudi Arabien, wo inmitten der Wüste in kürzester Zeit enorme Erfolge erzielt werden konnten.

 

Gegen Wüstenbildung in Peru

Auch wir bei SAUBER ENERGIE setzen uns aktiv gegen Wüstenbildung ein: Mit unserem SAUBER GAS unterstützen wir das Projekt Madre de Dios in Peru. Insbesondere durch illegale Goldschürfungen sind hier Waldflächen besonders akut von Rodung bedroht. Da oftmals Quecksilber und andere Schadstoffe verwendet werden, um das Gold zu binden, sind die Böden zudem vielerorts hochgradig vergiftet - in kürzester Zeit wird so Regenwald zu kahlen Wüstenlandschaften. Indem wir hier Flächen unter Schutz stellen, können wir wertvollen Wald vor Verwüstungsprozessen bewahren.

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