KLIMABLOG

20.04.2022

Ökologisch, fair, sozial? Textilsiegel im Vergleich

Textilsiegel versprechen ein gutes Gewissen beim Kaufen von Kleidung. Dabei kann es schwer sein, den Überblick zu behalten: Unterscheiden sich die verschiedenen Siegel überhaupt? Welche sind glaubwürdig, welche nicht? Und wie streng sind die Kriterien, die sie hierbei an den Tag legen?

Anlässlich des diesjährigen Earth Days haben wir versucht, für etwas Orientierung im Siegeldschungel zu sorgen. Denn im Einzelnen gibt es durchaus gravierende Unterschiede zwischen den Siegeln: Während manche umfassende ökologische und soziale Standards anlegen und dabei die gesamte Lieferkette in den Blick nehmen, interessieren sich andere nur für bestimmte Aspekte und blenden zudem große Teile des Produktionsprozesses aus. Wir haben für dich die gängigen Siegel verglichen und zeigen, welches Siegel wofür steht. Alle Ergebnisse haben wir in einer Tablle zusammengefasst.

 

Textilsiegel im Vergleich

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Fairtrade-Textilstandard

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Das Siegel mit den mit Abstand höchsten Sozialstandards. Die Anforderungen gehen in der Regel deutlich über die Kernnormen der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) hinaus: Hervorzuheben sind hier vor allem der Fairtrade-Mindestpreis, die Fairtrade-Prämie, höhere Löhne nach Anker-Methode sowie die demokratische Organisation der Arbeitnehmerschaft. Hohe Transparenz durch unabhängige Kontrollen durch FloCert. Nachteil: Bis jetzt kaum verbreitet. Zudem weniger anspruchsvoll bei den ökologischen Standards, hier sind andere Siegel stärker.

 

GOTS

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Umfassendes Siegel, welches sowohl soziale als auch ökologische Kriterien berücksichtigt und dabei die gesamte Wertschöpfungskette vom Feld bis zum Endprodukt in den Blick nimmt. Weniger starke Sozialstandards als Fairtrade - grundsätzlich folgt GOTS hier den ILO-Kernnormen. Dafür ist es deutlich stärker bei den ökologischen Aspekten: Mindestens 70% bzw. 95% (beim Zusatz „Organic“) des Endprodukts müssen aus biologischem Anbau stammen, Gentechnik ist verboten.

 

OeokTex Made in Green

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Berücksichtigt ähnlich wie GOTS sowohl soziale als auch ökologische Kriterien über die gesamte Wertschöpfungskette. Hat hierbei vergleichbare Sozialstandards, die planmäßigen Kontrollen finden allerdings nur alle 18 statt alle 12 Monate statt. Bei den ökologischen Kriterien fokussiert sich OekoTex vor allem auf die Vermeidung von Schadstoffen und hat hierbei etwas höhere Anforderungen als GOTS. Allerdings gibt weder ein Verbot von Gentechnik, noch einen Mindestsatz an Bio-Bestandteilen. Nicht zu verwechseln mit dem OekoTex Standard 100.

 

Fair Wear Foundation

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Entstanden ist das Siegel als Zusammenschluss mehrerer Unternehmen. Es bezieht sich nur auf die Textilfertigung, nicht auf die Rohstoffgewinnung. Die Unternehmen müssen hierbei lediglich nachweisen, dass sie auf eine Umsetzung der Kriterien hinarbeiten, werden aber bereits in der Frühphase zertifiziert, in der sie diese noch nicht oder nur teilweise erfüllen – hierdurch soll der Anreiz erhöht werden, sich überhaupt erst in einen Reformprozess zu begeben. Das erklärte Ziel ist hierbei, Löhne zu zahlen, die deutlich über den nationalen Mindestlöhnen liegen. Nur Firmen, die hierbei in der besten Bewertungskategorie („Leader“) landen, dürfen das Siegel auf die Kleidung drucken, niedrigere Kategorien dürfen lediglich auf anderem Wege auf ihre Mitgliedschaft hinweisen. Pluspunkt: Die konkreten Überprüfungsergebnisse der Mitgliedsfirmen lassen sich einzeln im Brands Performance Check einsehen.

 

Cotton Made in Africa

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Bezieht sich ausschließlich auf die Baumwollproduktion in Afrika. Unterstützt dort gezielt Kleinbauern durch Bildungsangebote in ökonomischer, ökologischer und technischer Hinsicht. Ein weiteres Ziel ist die Klimafolgenanpassung durch Böden- und Grundwasserschutzprogramme.

 

Grüner Knopf

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Das einzige staatliche Siegel in diesem Vergleich. Bezieht sich nur auf die Textilfertigung, nicht auf die Rohstoffgewinnung. Soll als "Meta-Siegel" für Übersicht im Siegel-Dschungel sorgen, hat dabei jedoch oft geringere Anforderungen als die übrigen Siegel.

 

IVN

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Als Mitgliedsorganisation der GOTS starke Ähnlichkeit in den Standards und maßgeblich an deren Entwicklung beteiligt, geht jedoch an einigen Punkten darüber hinaus - GOTS mit Sternchen, wenn man so will. Allerdings deutlich weniger stark verbreitet.

 

Fairtrade Cotton

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Betrifft im Gegensatz zum Fairtrade-Textilstandard lediglich die Baumwollgewinnung, nicht aber deren Verarbeitung. Ebenso stärkere Sozialstandards als die anderen Siegel, hervorzuheben sind hier die Fairtrade-Prämie, der Fairtrade-Mindestpreis sowie die demokratische Organisation der Arbeiterschaft. Verbietet (anders als der Textilstandard) gentechnisch manipuliertes Saatgut und zahlt zudem einen Aufschlag von 10-20% für Bio-Baumwolle.

 

Viele Siegel – ein Ziel

Sämtliche Siegel im Vergleich sind grundsätzlich sinnvoll und leisten einen Beitrag auf dem langen Weg zu einer nachhaltigeren Textilproduktion. Dennoch gibt es im Einzelnen große Unterschiede: Während manche die gesamte Lieferkette abdecken, konzentrieren sich andere auf einzelne Produktionsschritte. Auch unterscheiden sich die inhaltlichen Schwerpunkte der Siegel: Manche nehmen sowohl ökologische als auch soziale Standards in den Blick, andere fokussieren sich auf bestimmte Aspekte.

Welches Siegel unterstützenswert ist, hängt daher auch davon ab, welche Punkte dir besonders wichtig sind. Wenn du auf faire Löhne und angemessene Arbeitsbedingungen achtest, ist Fairtrade sicherlich die beste Wahl. Nur der Fairtrade-Textilstandard umfasst hier allerdings sämtliche Produktionsschritte. Mit Abstrichen sind hier auch Kleidungsstücke zu empfehlen, auf denen sich das Fair-Wear-Siegel befindet. Aber Vorsicht: Nur weil eine Firma sich als Fair-Wear Mitglied ausgibt, muss sie noch lange nicht deren Kriterien erfüllen – nur wenn sich das Logo auch auf der Kleidung befindet, setzt das Unternehmen die Kriterien auch um.

GOTS und Made in Green sind demgegenüber wahre Allrounder: Wenngleich weniger starke Sozialstandards, decken sie dennoch die gesamte Produktionskette ab und haben starke ökologischen Kriterien. Der Grüne Knopf punktet mit einer großen Reichweite und ist mittlerweile sogar bei Discountern zu finden, auch wenn er in einzelnen Aspekten nicht so streng ist wie andere Siegel und nur Teile der Lieferkette in den Blick nimmt. Vorsicht bei firmeneigenen Siegeln, wie die H&M Conscious Collection oder die Better Cotton Initiative: Hier sind die Standards - sofern überhaupt vorhanden - sehr schwach und werden darüber hinaus intransparent überprüft.

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