KLIMABLOG

11.08.2022

Energiewende-Vorreiter, die du so nicht erwartet hättest

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Sonnenwärmekraftwerk / Doc Searls / Flickr / CC BY 2.0

Dass skandinavische Länder in vielen Energiewende-Rankings oben stehen, überrascht wohl wenige. Schließlich stehen diese nicht nur traditionell für eine progressive Politik, sondern sind darüber hinaus mit einer geringen Bevölkerungsdichte und einer gleichzeitig hohen Verfügbarkeit von regenerativen Energiequellen wie etwa der Wasserkraft gesegnet. Insbesondere Schweden nimmt daher seit Jahren eine absolute Spitzenposition beim Klimaschutz ein.

Doch hättest du gedacht, dass auch Marokko oder Costa Rica absolute Vorbilder in Sachen Energiewende sind? In dieser Liste stellen wir euch 5 eher unbekannte Klimaschutz-Vorreiter vor. Wir geben zu – auch uns haben einige Kandidaten überrascht!

 

Uruguay

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Windkraftanlagen in Uruguay

Den Anfang in unserer Liste macht ein kleines Land in Südamerika. Uruguay ist vor allem für Fußball und hochwertiges Rindfleisch bekannt. Doch hättest du auch geahnt, dass das Land sich fast ausschließlich mit regenerativen Stromquellen versorgt? Circa 98% des Bedarfs werden von Erneuerbaren gedeckt – das Land produziert so viel, dass es sogar Strom an seine großen Nachbarn Argentinien und Brasilien exportiert.

Neben der Wasserkraft spielt hierbei vor allem die Windenergie eine zentrale Rolle. Hierfür hat sich das Land ein besonderes Modell einfallen lassen: Da die Landschaft Uruguays zu großen Teilen aus Weideland besteht, werden die Flächen für Windräder direkt von Farmern gepachtet. Diese haben so nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle, sondern profitieren darüber hinaus von der Infrastruktur, die durch den Bau der Anlagen entsteht – eine Win-Win-Situation für alle Seiten.

 

Chile

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Cerro Dominador / Mediabianco Agencia /

Flickr / CC BY 2.0

Wir bleiben in Südamerika, wechseln aber den Ozean: Chile liegt am Pazifik und gilt aufgrund seiner Nord-Süd-Ausdehnung von 4200 km als das „längste Land der Welt“. Auf 39 Breitengraden weist das Land somit unglaublich viele verschiedene Klima- und Vegetationszonen auf. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Energieversorgung wieder: Das Land versorgt sich nicht nur zu großen Teilen aus Wasser- und Windkraft, sondern hat zudem in der Atacama-Wüste eines der größten Solarkraftwerke der Welt gebaut.

Was hier zu sehen ist, sind jedoch keine Photovoltaikmodule, sondern über 10.000 Spiegel, welche auf einen Turm gerichtet sind. Die Spiegel bündeln die Hitze, wodurch spezielle Salze im Turm erhitzt werden. Diese erhitzen wiederum eine Flüssigkeit, welche verdampft und eine Turbine antreibt. Das Besondere ist hierbei, dass die Salze die Energie über 17 Stunden lang speichern können und so auch nachts oder bei bewölktem Himmel Energie erzeugen – ein entscheidender Vorteil gegenüber gängigen Solarmodulen. Dieselbe Technologie soll zukünftig benutzt werden, um alte Kohlekraftwerke in moderne Stromspeicher zu verwandeln. Diese speichern dann Strom aus regenerativen Energiequellen und geben ihn wieder ab, wenn einmal Windstille herrscht oder die Sonne nicht scheint.

Chile beeindruckt aber nicht nur mit innovativen Vorzeigeprojekten wie dem „Cerro Dominador“, sondern sich hat auch sonst ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt: Bis 2050 möchte das Land klimaneutral werden. Nicht zuletzt aufgrund dieser Bemühungen landete das Land im Klimaschutzindex der Nichtregierungsorganisation Germanwatch in den letzten Jahren auf Platz 9.

 

Marokko

Marokko Energiewende Vorbild Vorreiter Noor Pionier Midelt Technologie Sahara Atlas Solar Sonne Kraftwerk
Sonnenwärmekraftwerk / Privaterbok / Flickr

/ CC BY 2.0

Ein bauähnliches Solarkraftwerk wie das Cerro Dominador befindet sich in Marokko – genauer gesagt nordöstlich der Wüstenstadt Ouarzazate inmitten des Atlas-Gebirges. Zusammengenommen bilden die Kraftwerke Noor I-IV auf über 3000 Hektar sogar den größten Solarkomplex der Welt. Mit einer Höhe von 242 Metern ist der dazugehörige Solarturm zudem eines der höchsten Gebäude von ganz Afrika.

Doch auch sonst ist Marokko in Sachen Klimaschutz ein Land der Superlative: So hat es weltweit nicht nur mit die geringsten Pro-Kopf-Emissionen, sondern belegt darüber hinaus seit Jahren Spitzenpositionen in verschiedenen Klimaschutz-Rankings. Dabei ist es nicht nur innerhalb des afrikanischen Kontinents ein absoluter Vorreiter, sondern gerade für Entwicklungsländer auf der ganzen Welt ein Vorbild: Im Klimaschutz-Index befand es sich immer in den Top Ten – 2019 gab es sogar einen sagenhaften zweiten Platz. Bereits 2017 hat das Land sämtliche Subventionen für fossile Energieträger abgeschafft. Stattdessen wurden verstärkt Bildungfonds, Geldtransfers und eine Krankenversicherung eingeführt, um vor allem ärmere Familien zu unterstützen, welche vom Wegfall der Subventionen betroffen wären. Doch auf diesen Erfolgen möchte sich Marokko nicht ausruhen: Zurzeit wird schon am nächsten Solarkomplex gebaut, welcher in der Nähe der Wüstenstadt Midelt entstehen soll und sogar noch größer und leistungsstärker werden soll als das Kraftwerk Ouarzazate.

 

Litauen

Litauen Wind Erdwärme Fernwärme Unabhängigkeit Energieunabhängigkeit von Russland Embargo Krieg Ukraine Offshore
Offshore-Windanlagen / Vattenfall / Flickr /

CC BY-ND 2.0

Der Krieg in der Ukraine führt uns zurzeit schmerzlich unsere Abhängigkeit von russischen Gasimporten vor Augen. Ein Land, das im Bemühen um mehr Autarkie vom großen Nachbarn erstaunliche Erfolge erzielen konnte, ist Litauen: Als ehemaliger Teil der Sowjetunion war es noch vor 10 Jahren stark abhängig von Importen fossiler Brennstoffe aus Russland. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich das drastisch verändert: Insbesondere das ausgeprägte Fernwärmenetz wird nun kaum noch durch Erdgas, sondern vor allem durch eigene Biomasse gespeist. Zudem wird der Ausbau an regenerativen Stromquellen mit Hochdruck vorangetrieben – zurzeit vor allem mit Offshore-Windanlagen. Als eines der wenigen EU-Länder konnte das Land so die Energieziele der Europäischen Union erreichen. Auch im Klimaschutz-Index belegte das Land in den letzten Jahren immer wieder Spitzenpositionen - 2017 landete das Land sogar auf Platz 2.

 

 

Costa Rica

Costa Rica Klimaneutral 2009 Vorbild Energiewende Erneuerbare Wasserkraft
Natur in Costa Rica

Für den Abschluss in unserer Liste kehren wir noch einmal zurück auf den amerikanischen Kontinent – genauer gesagt nach Mittelamerika. Costa Rica ist kaum größer als Niedersachsen, weshalb es in vielen Klimaschutz-Rankings gar nicht erst vorkommt. In Sachen Energiewende zählt das Land dennoch zu den ganz Großen: Bereits 2009 hat Costa Rica Klimaneutralität zum offiziellen Staatsziel erklärt – zehn Jahre bevor sich Deutschland dieses Ziel ins Klimaschutzgesetz geschrieben hat.

Momentan arbeitet das Land mit Hochdruck daran, seinen Verkehrssektor zu dekarbonisieren – vor allem durch den Ausbau strombetriebener öffentlicher Verkehrsmittel wie Bahnen und Elektrobussen. Schon jetzt läuft die Stromversorgung Costa Ricas fast ausschließlich über Erneuerbare Energien, wobei vor allem Wasserkraft eine zentrale Rolle spielt. Durch den Schutz und die großflächige Wiederaufforstung von naturnahen Regenwäldern mit hoher Biodiversität werden darüber hinaus enorm große Mengen CO2 in den Böden gebunden – über 27% der Landesfläche stehen unter Naturschutz, bis 2030 sollen ganze 60% mit Regenwald bedeckt sein.

Beispiele, die Mut machen

Wie wir sehen, gibt es viele Länder, die das Projekt Energiewende auf vielversprechende Weise anpacken. Einige von ihnen haben sie sogar bereits gemeistert und versorgen sich schon jetzt vollständig durch regenerative Energiequellen. Dass es sich hierbei nicht nur um reiche Industrienationen handelt, sondern auch einige Entwicklungsländer die große gesellschaftliche Transformation erfolgreich angehen, sollte uns zuversichtlich stimmen: Eine regenerative Energieversorgung unabhängig von fossilen Brennstoffen ist möglich!

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